10 Dinge, die Du über mich wissen solltest

Mein Leben kann man durchaus als bunt bezeichnen.

Schon als 14-jährige Mitte der 90er hatte ich einen Terminkalender – und der war voll, voll, voll: montags Betreuerin einer Jugendgruppe, dienstags und freitags Tanzmariechen-Training, mittwochs Gitarrenunterricht, donnerstags Tenorhornprobe bei der Freiwilligen Feuerwehr. Wochenends Auftritte, Zeltlager, Partys (oder wie wir es damals nannten „Feten“). Ich hatte dazu noch Glück, dass ich immer eine gute Schülerin war. Oh, hatte ich erwähnt, dass ich auch Schülersprecherin war?

Für mich war 10 Dinge gleichzeitig zu tun und dabei gut gelaunt und aufgedreht allen um mich herum auf die Nerven zu gehen also schon immer ganz normal. 

Mit 16 hatte ich das große Privileg in die USA nach Redmond bei Seattle 6 Monate lang bei einem Schüleraustausch teilnehmen zu können. Das eröffnete mir einen ganz neuen Horizont. Ich bekam plötzlich den Wunsch, die Welt erobern zu wollen. 

Ich stellte mir vor, wie ich als grauhaarige alte Frau im Schaukelstuhl sitzen würde und einer Horde Enkelkindern spannende Storys aus meinem aufregenden Leben erzähle. 

Ja, genau das wollte ich. 
Also schloss ich einen Pakt mit mir selbst: “Barbara, immer wenn Du vor der Entscheidung stehst, etwas zu tun oder etwas nicht zu tun, dann wirst Du Dich IMMER für TUN entscheiden, wenn am Ende voraussichtlich eine coole Geschichte für Deine Enkelkinder heraus springt!”
Naja, und was soll ich sagen? Diesen Pakt habe ich bis heute nicht gebrochen 😀

Kurz vor meinem Abitur eröffnete ich also meiner Familie: “Wenn ich mit der Schule fertig bin, dann gehe ich 1 Jahr lang nach Disney World in Florida, um hier zu arbeiten”. 
Alle schauten mich nur zur Kenntnis nehmend nickend an. Mein Bruder kommentierte das mit: “Und ich schreibe irgendwann ein Buch mit dem Titel `Meine Schwester, die Mickey Maus`”. Mal sehen, ob ich dieses Buch irgendwann mal in Händen halte 😛

Einen Studienplatz hatte ich zu dieser Zeit auch schon sicher: ich hatte eine Zusage der Arnhem Business School in Holland für ein International Business and Management Studium: Englischer Studiengang, 2 zusätzliche Fremdsprachen sowie mind. 1 Semester an einer Partneruni sowie ein Auslandspraktikum und die praktische Bachelor-Arbeit. Freut Euch schon mal auf spannende Storys aus Holland, Russland und der Schweiz 🙂

NIEMALS hätte ich gedacht, dass es für mich nach so einem Studium schwierig sein würde, einen Job zu finden. Aber ich bekam mein Zeugnis in einem Jahr, in dem plötzlich alle Firmen Einstellungsstops hatten. Damals (2002) sprach man von Krisenzeit und Rezession. Ein Jahr vorher war meine Freundin in der Uni noch von Headhuntern recruitiert worden. Und ich bekam eine Absage nach der anderen. Krass. Ich war zum ersten Mal – aber definitiv nicht zum letzten Mal – in meinem Leben zur falschen Zeit am richtigen Ort. 

Long Story short: mein erster Job nach dem Studium war “Marketingassistenten” eines Leiters Marketing, der bei seinem eigenen Vorstellungsgespräch sagte “ich brauch keine Assistentin” (er ist 1 Monat nach mir eingestellt worden) in einer Schweizer Firma, die elastische Umwindungsgarne herstellt. Knapp 2 Jahre später wurde ich Außendienstmitarbeiterin bei Hilti (hier hatte ich 2002 meine Bachelor-Arbeit geschrieben) in Köln (so bin ich also 2004 nach Köln gekommen). Hier habe Ich als einzige Frau der Region Bohrmaschinen und Dübel an den Mann gebracht. Knapp 2 Jahre später habe ich alles hingeschmissen, um Ernährungswissenschaften zu studieren und gleichzeitig Weight Watchers Coach zu werden. Ganz nebenbei habe ich geheiratet und kurz hintereinander 2 Söhne gekriegt. 

Hier bin ich das erste Mal im Leben absolut an meine Grenzen gestoßen: Studium, Selbstständigkeit und zwei U-3-Kinder ohne Kita-Platz war schlicht und einfach selbst mir zu viel. 

Also wollte ich wieder Fuß fassen in der Welt der Angestellten. Durch meine im nicht abgeschlossenen Zweitstudium gewonnenen Erkenntnisse wurde ich 2014 B2B-Kundenberaterin in einem Großhandel für Bio-Lebensmittel. Der Job war super, die Unternehmenskultur war das Allerletzte (auch hierzu wird es einen Blog-Artikel geben :-)). Aber durch meinen Job habe ich die ein oder andere Firma kennengelernt, die sich im Food-Bereich neu gegründet hat. “Start Up” war plötzlich ein neues Wort, nicht zuletzt geprägt durch die damals neue Fernseh-Show “Die Höhle der Löwen”. So wurde ich 2015 zur ersten Außendienstmitarbeiterin von den “Frechen Freunden” – ein Bio-Früchte-Unternehmen, das mittlerweile alle Mütter von 1-5-Jähringen kennen (damals war die Marke aber noch absolut unbekannt in NRW). Aber Außendienst war noch NIE mein Ding, also habe ich mich gefreut, als ich von einem Kölner Bio-Suppen-Food-Start-Up angesprochen wurde, ob ich nicht hier als “einzige festangestellte Mitarbeiterin und somit Mädchen für Alles” arbeiten wollte. Klar wollte ich. 

Aber nicht lange, dann waren sie wieder da, meine 3 Probleme: 2 kleine Kinder, die zwar mittlerweile einen Kita-Platz hatten, aber gleichzeitig auch eine starkes Bedürfnis jeden Tag um 16:00 Uhr pünktlich aus der Kita abgeholt zu werden; ein Ehemann, der beruflich selbstständig durchstarten wollte – aber sich ständig mit mir absprechen musste, wer von uns denn rechtzeitig zu Hause sein würde, um die Kinder abzuholen und ein Job, der mir zwar großen Spaß gemacht hat, aber den ich ständig täglich pünktlich um 15:30 abbrechen musste, weil ich rechtzeitig an der Kita sein musste. Und wieder traf mich wie ein Blitz die Erkenntnis: auch im 21. Jahrhundert ist “kommt, wir kriegen Kinder und selbstverständlich sind wir beide berufstätig und machen Karriere” schlicht und einfach Utopie! Feminismus und Gleichberechtigung am Arsch. “Irgendwie kriegen wir das schon hin” ist Bullshit! 

Ein neuer Plan musste her: EINER macht Karriere und der andere hält den Rücken frei. EINER kümmert sich um das gesamte Wohlergehen der Kinder und sucht sich einen flexiblen Job mit wenig Verantwortung, bei dem er/sie einfach gehen oder weg bleiben kann, wenn die Kita anruft, wenn eins der Kinder krank ist. Der/die Andere kümmert sich darum, dass genug Geld in die Familienkasse fließt – auch wenn das bedeutet, dass Überstunden gemacht und am Wochenende gearbeitet werden muss. 
Na, und da war dann irgendwie schnell klar, dass ich kündige. 

 

 

Und so startete ein neues Kapitel in meinem Leben! 
Denn ganz so ohne Job als kuchenbackende Hausfrau, die sehnsüchtig darauf wartet, dass die Kinder endlich aus der Kita wieder kommen – das war eine Horrorvorstellung für mich. 
Also begann ich 2017 ich einen Halbtagsjob im Gästeservice vom Phantasialand und startete parallel dazu meine Fernsehkarriere :-D.
VIELE Blogeinträge wird es zu diesen Themen geben. 

2019 – es war gerade endlich etwas Ruhe in unserer Familie eingekehrt –  schon wieder eine lebensverändernde Erkenntnis: meine Ehe war im Eimer. 
Zugegeben, so ganz überraschend kam das nicht. Wer diesen Artikel bis hierhin gelesen hat, der hat durchaus eine Idee davon gekommen, dass es ganz schön stressig und turbulent zugegangen ist in den letzten 12 Jahren. Aber die Umstände, die letztendlich zum großen Trennungs-Knall geführt haben, waren absolut nicht “0-8-15 – wir haben uns halt auseinander gelebt und haben beschlossen, wir wollen Freunde bleiben”. Ich habe mittlerweile Dinge erfahren, die mich an meiner Menschenkenntnis zweifeln lassen. Ich habe 12 Jahre lang mein Bett mit einem mir rückwirkend absolut fremden Menschen geteilt.

Aber was soll ich sagen? Veränderungen bestimmen schon immer mein Leben. Ich bin also nicht heulend zusammen gebrochen (nun, ja, tatsächlich bin ich das schon… aber nur kurz ;-)), sondern habe mir überlegt, was ich brauche, damit mein neues Leben als alleinerziehende Mutter gelingen kann. Und habe dann alles in die Wege geleitet, damit genau das auch passiert: 3 Monate nach dem Auszug des Vaters meiner Kinder (in das 450 km entfernte Bodenseegebiet) war ich mit meinen Jungs,  im selben Haus in eine kleinere Wohnung umgezogen, hatte 2 Katzies aus dem Tierheim adoptiert und hatte einen Vollzeitjob im Phantasialand – jetzt in der Marketingabteilung. Das war übrigens 3 Monate vor dem ersten Corona-Lockdown. Allen, die jetzt sagen “oh nein, schon wieder zur falschen Zeit am richtigen Ort” möchte ich antworten: “Oh, nein” zum ersten Mal seit dem Studium vor ca. 20 Jahren fühle ich mich genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Denn Corona hin oder her: meinen Söhnen und mir geht es SUPER! Zu Hause haben wir jede Menge Spaß und unterstützen uns gegenseitig wo wir nur können. Selbst die Schulnoten sind überraschend gut. Wir unternehmen viel zusammen und erleben jede Menge Quality-Time. Und auch der Job ist “genau meins”. Klar, viel Stress und darüber hinaus Corona-Blues (immerhin ist die Freizeitbranche ganz besonders von den Lockdowns betroffen). Und auch die Arbeitszeiten sind nicht wirklich familienfreundlich. Aber die Kollegen sind super und meine Aufgaben machen mir schlicht und einfach Spaß. 

Und so ist nun der Stand der Dinge. Corona hin oder her ist gerade so viel Ruhe in meinen Alltag eingekehrt, dass ein neues Projekt her muss: nämlich dieser Blog 😀 .

Also viel Spaß beim stöbern, lesen, lachen, Augenbrauen hoch ziehen, Tränchen verdrücken und beim Mitfiebern, welche Story es am Ende in die Top 10 für meine Enkelkinder schafft 🙂