Das Geheimnis der Gummi-Punkte

Boah, irgendwie läuft es gerade etwas schleppend mit meiner Abnahme! 

In den ersten Wochen habe ich immer über 1 Kilo abgenommen, dann bis zu meiner “10-Kilo-Marke” zumindest so 500-600 Gramm pro Woche (also im Durchschnitt… Ich hab schon ein paar mal meine hohen Gewichtsschwankungen durch Wassereinlagerungen erwähnt 😛 ). 

Aber irgendwie dümpel ich seit kurz vor Ostern so bei 200-300 Gramm pro Woche herum. 

Dabei bin ich echt noch hochmotiviert. Ich mache – so oft ich kann – meine 6.000 Schritte pro Tag, ich rolle fleißig meinen Bauch weg 😀 😀 , ich hab mich sogar schon einmal dabei erwischt, wie ich ein Zumba Video auf Youtube gesehen und spontan mitgemacht habe und brandaktuell ist gerade ein Trampolin bei mir eingezogen… 

Wenn ich in den Spiegel schaue, dann sehe ich auch schon sehr gut, was ich erreicht habe und ich bin auch schon mehrfach darauf angesprochen worden, ob ich abgenommen habe und dass ich toll aussehe 🙂 !

Das mit dem Punkte zählen ist mir auch schon in Fleisch und Blut übergegangen, ich muss nicht mehr alles nachschlagen, ich mache / koche auch oft das gleiche und ich gönne mir auch hin und wieder etwas, schließlich habe ich dafür ja die Wochenextras. Ich schreib auch nicht mehr alles so akribisch in mein Ernährungstagebuch – ich hab mittlerweile ein gutes Gefühl dafür, wie viel ich jeden Tag essen “darf” 🙂 

Also irgendwie verstehe ich nicht, dass es jetzt so mühsam und zäh wird mit meiner Abnahme… 

Oder verstehe ich es vielleicht doch???!!!

Meine lieben Leute, jetzt erzähle ich Euch mal etwas, bei dem so ziemlich jeder, der sich wie ich bereits länger als 12 Wochen in einer “aktiven Abnahmephase” bei WW befindet sagt: “oh, ja, stimmt. Ist genau so. Ertappt!”

Und zwar gibt es so etwas wie eine Motivationskurve, die bei allen so quasi gleich ist.

Die beginnt mit: “Iiiih, was ist das denn für eine Person im Spiegel (oder auf dem Strandfoto vom letzten Urlaub)? Soll ich das etwa sein? Oh, nein, das will ich auf gar keinen Fall! Ich will jetzt abnehmen und zwar ganz schnell”, geht weiter mit “oh, wow, ich bin super motiviert und es ist total einfach, sich an das WW Konzept zu halten. Ich probiere ganz viele von diesen tollen Rezepten aus und manchmal habe ich sogar noch Punkte übrig ohne Hunger zu haben”, dies resultiert in “Krass, ich habe 3 Kilo in 4 Wochen abgenommen!”

Diese Phase nenne ich mal “Anfangseuphorie” 🙂

Aber dann kehrt so nach und nach der Alltag ein… Dann nimmt man plötzlich nicht mehr so viel auf einmal ab (war am Anfang ja viel Wasser), dann experimentiert man nicht mehr so viel mit neuen Rezepten herum (man hat ja in den letzten Wochen ein paar neue Lieblingsrezepte gefunden), dann wird man hier und da mal auf einen Grillabend oder zu einem Geburtstag eingeladen und will auch mal etwas essen, was man nicht selbst gekocht hat. Auch hier ist alles noch super, aber die Anfangseuphorie ist nicht mehr so da. Ich nenne diese Phase mal “Alles ist gut“. Normalerweise nimmt man in dieser Phase weiterhin gut und regelmäßig ab, weil man das Programm immernoch sehr ernst nimmt, fleissig alle Mahlzeiten aufschreibt und das “Wochen-Extra” nutzt für die Einladungen oder für das Stückchen Kuchen.

Aber dann kommt irgendwann die “Profi”-Phase. Die nenne ich deshalb so, weil einem das WW-Programm in Leib und Seele übergegangen ist. Punkte müssen nicht mehr nachgeschaut werden, die wichtigsten kennt man mittlerweile auswendig, die anderen kann man ganz gut schätzen. Fit Points werden auch nicht mehr ausgerechnet, die sind bei “einer Runde um den Ententeich” immer gleich.

Und irgendwie schleicht sich so nach und nach immer mal wieder eine Woche ohne Abnahme ein. “Ist nicht schlimm, ich hatte Wassereinlagerungen wegen Hormonen”, “Oh, ich war am Samstag auf einer Hochzeit, da habe ich keine Punkte gezählt” ist gut und schön… Aber nicht selten kommt als “Profi” eine Phase, in der man über Wochen irgendwie im Durchschnitt so… gar nichts abnimmt.

Ladies und Gentlemen.
Es ist Zeit, dass ich Euch ein Geheimnis verrate.
Nämlich das Geheimnis des Abnehmens!

Man nimmt ab, wenn man… Trommelwirbel… weniger Kalorien zu sich nimmt, als man verbraucht.

Tadaaa! Jetzt ist es raus!

Hm. Irgendwie macht dies nun das lesen SÄMTLICHER Ernährungsratgeber unnötig, oder?

Nun gut, ich erkläre Euch gerne ein bisschen mehr…

Tatsächlich funktioniert JEDE Diät aus genau diesem Grund: wenn ich abends nach 18:00 Uhr nichts mehr esse, wenn ich 5:2-interval-faste, wenn ich grundsätzlich auf Kohlenhydrate verzichte, wenn ich von morgens bis abends Sport mache, wenn ich Eiweiß-Shakes zu mir nehme… Ja, selbst, wenn ich mich ausschließlich von Butter und Pizza ernähren würde – so lange ich dadurch weniger Kalorien zu mir nehme, als ich verbrauche, nehme ich ab. Im Falle der “Pizza und Butter”-Diät hieße das allerdings, dass ich jeden Tag 1 kleine Pizza Margarita und 1 TL Butter essen darf, sonst aber gar nichts. Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass das nur 2-3 Tage lang lustig ist 😀 . 

Es gibt ein paar Ernährungsformen, die schnellere Abnahme-Ergebnisse zeigen, als andere. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die “wenig-Kohlenhydrate-Diät” gerade in den ersten Wochen eine deutlich höhere durchschnittliche Abnahme bringt, als manch eine andere Methode. AAAAABER ich habe ja Unmengen Fortbildungen hinter mir und kenne daher auch die ein oder andere wissenschaftliche Untersuchung. Eine davon hat zum Beispiel verschiedene Diäten 2 Jahr lang miteinander verglichen. Das Ergebnis: In allen 4 Diät-Gruppen gab es nach 2 Jahren nicht wirklich einen Unterschied. In allen Gruppen haben ein paar Leute sehr viel abgenommen, ein paar Leute sehr wenig. Keine Diät hat langfristig einen objektiv höheren Erfolg gehabt, als die andere. (Tatsächlich kommen jede Menge langfristige, wissenschaftliche Untersuchungen auf sehr ähnliche Erkenntnisse über verschiedene Diätformen). 

Das schöne an WW ist meiner Meinung nach, dass man sich für die Ernährung entscheiden kann, die man selbst am liebsten mag: mit Fleisch oder ohne, mit Nudeln oder ohne,  mit “Cheat-Day” oder ohne und ja sogar mit Sport oder ohne 🙂 
Und was für mich am Allerwichtigsten ist: ich muss nicht hungern!!!! 

Aber auch für WW gilt: wenn ich mich nicht (mehr) 100 % an meine Punkte halte, dann nehme ich auch mit WW nichts (mehr) ab! WEIL ich nicht mehr weniger Kalorien zu mir nehme, als ich verbrauche! 

Für mich und meine geringe Abnahme seit Wochen bedeutet das im Umkehrschluss: 
Entweder, ich nehme im Durchschnitt mehr Kalorien zu mir als zu Beginn meiner Abnahme oder ich verbrauche weniger Kalorien oder Teils das eine und Teils das andere. 

Ich denke also, ich selbst befinde mich gerade in der weiter oben beschriebenen so gefährlichen “Profi”-Phase. 

In dieser Profi-Phase schleichen sich nämlich langsam immer mehr “Gummi-Punkte” ein. 

Dieses Wort habe ich von meinem eigenen WW Coach damals vor 14 Jahren (hiermit einen lieben Gruß an Juliane 🙂 ) . Mit “Gummi-Punkten” hat sie “immer größer werdende Portionsgrößen” gemeint und dabei immer das Beispiel “Nutella auf dem Frühstücksbrötchen” erzählt. Ein Teelöffel Nutella hat 3 Smart Points (ich muss nebenbei erwähnen, dass damals die Punkte noch anders ausgerechnet wurden. Damals hatte 1 TL Nutella 1 FlexPoint). Ein Frühstücksbrötchen mit 2 TL Nutella hat jetzt 11 Punkte, also durchaus ein Frühstück was für die meisten Teilnehmer in ihren Tagesplan passt. 

Und während man als Teilnehmer in den ersten Wochen seiner Abnahme-Reise noch ganz akribisch das Nutella (oder den Nutella oder von mir aus auch die Nutella 😛 ) mit dem Teelöffel abgemessen hat, wird so langsam mit der Zeit aus dem Teelöffel eine Messerspitze, dann plus/minus das Brötchen voll bis schließlich jedes “Brötchen voll mit Nutella” in den Augen des Abnehmwilligen pauschal 11 Punkte hat. Die Punkte haben sich also nach und nach der Portionsgröße angepasst 😛 

Gummi-Punkte eben 😀 😀

Am Anfang ist das auch gar nicht so schlimm. Wenn ich nur die Hälfte meines Wochenextras nutze und/oder mich häufig und viel bewege und/oder bei jeder Mahlzeit mit kleinen Portionsgrößen auskomme, dann nehme ich gut ab, wenn ich die Punkte für mein morgendliches Nutellabrötchen irgendwie falsch ausgerechnet habe. 

Aber wenn ich alle meine Wochenextras nutze UND einmal die Woche einen “Cheat-Day” einlege UND mir einen Döner mit Pommes gönne, weil ich gerade so viel Sport gemacht habe UND die Milch in meinem Kaffee nicht mitzähle UND wenn mein Grundumsatz automatisch weniger wird, weil ich schon viel abgenommen habe UND wenn ich beim Geburtstagskuchen meiner Kollegin “ja” sage UND das nicht aufschreibe UND beim Braten “so ungefähr” 1 TL Öl nutze UND…
(ich glaube, Ihr habt verstanden, worauf ich hinaus will…), 

DANN IST MEINE ENERGIEBILANZ irgendwann NICHT MEHR NEGATIV!

Das ist die bittere Wahrheit. 

Gewichtsschwankungen durch Wassereinlagerungen hin oder her! Wenn ich über einen Zeitraum von 4 Wochen durchschnittlich weniger als 600 Gramm abnehme (also 600 Gramm geteilt durch 4 Wochen), dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ich mich in der Profi-Phase befinde. 

So. Jetzt habe ich es laut ausgesprochen! 

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch schon eine Lösung parat hätte. 

Mehrere sogar. 

Denn einerseits gibt es objektiv gar keinen Grund, warum man besonders schnell abnehmen müsste. Der ein oder andere von Euch sieht mit 10 Kilo weniger jetzt eine komplett neue – sehr nette – Person im Spiegel und möchte die vielleicht erst mal kennenlernen. Eine WW Teilnehmerin hat mir erzählt, dass Sie ihre 45 Kilo ganz bewusst in Etappen abgenommen hat. 15 Kilo weniger und dann ein ganzes Jahr Erhaltung. Das war gut für ihre Haut UND ihre Psyche, hat sie mir erzählt! Fand ich toll, diese Geschichte! 

Ich selbst bin da aber deutlich ungeduldiger. 

Wenn ich meine Abnahme wieder ankurbeln möchte, dann habe ich 2 Hebel, an denen ich ziehen kann. 

1. meine Motivation und

2. meine Ernährung

(es gäbe noch 3. Bewegung, aber das würde bei einem so langen Blog-Artikel den Rahmen sprengen 😛 ) 

Meine Motivation war am Anfang VIEL höher, weil mein Leidensdruck viel höher war. Meine Unterhosen haben gekniffen, ich hatte ein fieses Doppelkinn, beim Treppensteigen bin ich im 4. Stock fast ohnmächtig umgekippt. Das ist alles nicht mehr da. Also habe ich nun eine Hose in Größe 38 aus dem Schrank gekramt (da passte ich vor 14 Jahren einmal ganz kurz rein) und stelle mir vor meinem geistigen Auge vor, wie sexy ich mit 10 weiteren Kilo weniger darin wohl aussehen werde. Jaaaa, das gefällt mir! Da will ich hin! Das ist jetzt meine Motivationshose!!! Außerdem gibt es einen Motivations-Rock, ein Motivations-Kleid und sogar einen Motivations-Bikini 😀  (ich war “einkaufen” in meinem eigenen Kleiderschrank 😉 ). 

Was die Ernährung betrifft, so hab ich mich an die ersten 4 Wochen meiner Abnahme erinnert. Da hatte ich gaaaaanz viel Neues ausprobiert. Meine Woche war super abwechslungsreich und spannend. Ich habe ständig WW-Rezepte durchstöbert und mich darauf gefreut, was es morgen denn Neues geben wird. 

Das hat ehrlichgesagt in den letzten Wochen ganz dolle nachgelassen. Kein Wunder, dass sich Fehler eingeschlichen haben. 

Abwechslung muss wieder her. Und in meinem Fall etwas mehr Kontrolle. 

Ab heute wird also wieder ALLES genau in meinem Ernährungstagebuch aufgeschrieben, meine Portionen lege ich hin und wieder zur Kontrolle auf die Waage uuuuuuund… ich wechsle testweise mal von Team grün auf blau! 

Ich lasse Euch in den nächsten Wochen wissen, wie es mir dabei so ergangen ist 😀 🙂 



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