Diese Woche habe ich irgendwie Lust zum Klugscheißen 😉 

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wenig ich vor meiner ersten Abnahme mit Weight Watchers 2006 über Ernährung wusste. Ich habe die wöchentlichen Informationen bei den WW Treffen in mich aufgesogen wie ein Schwamm. Und ich wollte noch mehr! Das Thema “warum bin ich eigentlich dick geworden” hat mich nicht nur aus psychologischer Sicht interessiert. Nein, ich wollte wissen, was da in meinem Körper vor sich geht. Also habe ich mit Ende 20 meinen echt gut bezahlten Job im Außendienst geschmissen  (ehrlich… ich hab seit dem nie wieder so gut verdient wie damals – aber der Job hat mich halt nicht glücklich, sondern fertig gemacht…) und habe ein Ökotrophologie-Studium begonnen. Um direkt mit dem Klugscheißen zu beginnen: Öko heißt “Haus” und Tropho irgendwas mit “Essen”. Ökothrophologie sind also die “Ernährungs-und Haushaltswissenschaften”. Dieses Studium gibt es so in dieser Form nicht mehr wirklich. Heutzutage kann man “Ernährung” studieren ohne den BWL-Teil dabei. 

Heute möchte ich Euch gerne an ein paar sehr wichtigen Erkenntnissen aus meinen Fortbildungen und meinem Studium teilhaben lassen 🙂 

Eines meiner nachhaltigsten AHA-Erlebnisse war, zu verstehen, dass “Abnehmen” etwas ist, das unser Körper nicht gerne macht. (Ja, ich kann mir vorstellen, dass sich diese Erkenntnis mit Euren Abnahme-Erfahrungen deckt 😉 )

Das hat etwas mit Evolution zu tun. 

Denn was haben wir von Charles Darvin gelernt? In der Evolution setzt sich immer das durch, was das Überleben der Spezies sichert. Darvin nannte das “survival of the fittest”. 

Jetzt stellen wir uns mal unsere Vorfahren vor –  also die Steinzeitmenschen und Neandertaler – und überlegen uns, wie die so gelebt haben…
Damals gab es immer nur dann etwas zu essen, wenn gerade ein Tier erlegt wurde oder wenn Beeren reif waren. Das Leben war außerdem gefährlich, denn während ich die Höhle verließ, um Essen zu suchen, warteten schon Bären und Pumas auf mich, weil sie mich verspeisen wollten. Und wenn im Winter draußen alles gefroren und schneebedeckt war, dann war es die beste Idee, mich in meiner Höhle zu verkriechen und möglichst wenig zu bewegen, um ja wenig Kalorien zu verbrauchen, bevor der Frühling kommt. Ein kleiner Speckring hat hier in einem langen Winter mein Überleben gesichert. In der Evolution hat es also Sinn gemacht, wenn ich möglichst schnell möglichst viele Kalorien zu mir genommen habe (also bevor der Bär plötzlich hinter mir steht) und mich möglichst wenig zu bewegen – wenn ich nicht gerade auf der Jagd war oder selbst gejagd wurde.

Naja, und um mir so ein Verhalten schmackhaft zu machen, hat mein Gehirn sich ein Belohnungssystem ausgedacht, das über hunderttausende von Jahren hinweg das Überleben der Menschheit gesichert hat: Lebensmittel mit einer hohen “Energiedichte”, also Lebensmittel, die viele Kalorien haben, schmecken uns besonders gut. Ich denke da an alles, was fettig und süß ist 🙂 . Und “mich nicht bewegen zu wollen” wird mit einem angenehmen Gefühl belohnt. 

Und Ihr ahnt es bereits… evolutionstechnisch unterscheidet sich der Steinzeitmensch nicht sooooo dolle von den Menschen des 21. Jahrhunderts. Und wenn man etwas genauer darüber nachdenkt, dann ist das auch eigentlich auch gut so. Denn… Hungersnöte gibt es tatsächlich auch heute noch. Meine Großeltern erinnern sich noch an eine große Hungersnot nach dem 2. Weltkrieg – und das ist gerade mal 2 Generationen her. Naja, soooo schnell verändert die Evolution den Genpool nicht… Mein Steinzeit-Gehirn geht also heute noch davon aus, dass es eine Zeit geben wird, in der ich lange nichts zu essen bekomme – und ist entsprechend darauf vorbereitet.

Und jetzt mal zwischen uns: Kühlschränke, Elektroherde, Supermärkte, die bis 22:00 Uhr geöffnet haben, Schnellrestaurants und Lieferdienste… Wir sind die allerallererste Generation, die rund um die Uhr Zugang zu Essen hat und das Gefühl zu hungern nie erleben musste. 

Gleichzeitig gibt es so viele tolle neue Erfindungen der Lebensmittelindustrie. Dank Zucker, Geschmacksverstärkern, Süßstoffen, künstlichen Aromen und Farbstoffen schmecken die Lebensmittel nun noch fettiger und noch süßer (und noch salziger und noch crunchiger) als alles, was unsere Neanderthaler-Vorfahren kannten. Kein Wunder, dass unser Gehirn heutzutage aus dem Endorphine-Ausstoßen beim Essen nicht mehr heraus kommt. Und kein Wunder, dass Gummibärchen bei vielen von uns beliebter sind als Äpfel: wir haben ja gerade gelernt, dass mich mein Gehirn mit einem guten Gefühl belohnt, wenn ich möglichst schnell möglichst viele Kalorien zu mir nehme. Naja und Gummibärchen sind nun mal viel süßer als Äpfel und haben auch mehr Kalorien… 

Es ist also grundsätzlich gegen die Natur, wenn wir uns dazu entschließen abnehmen zu wollen. 

Nun ja, tatsächlich ist es auch gegen die Natur, übermäßig zuzunehmen. Aber dieses “Problem” immer süßes und fettiges Essen in der Nähe zu haben und uns nicht bewegen zu müssen gibt es ja auch nur in den Industrieländern und das auch erst seit weniger als 100 Jahren. Unser Körper ist also tatsächlich überfordert mit den neuen “Zivilisationskrankheiten”, die durch zu viel (oder “falsches”) Essen entstehen, wie z.B. Karies, Arterienverstopfungen oder Diabetes. Ansonsten würde uns der Körper nämlich durch neue Belohnungsmechanismen davor schützen, übermäßig zuzunehmen. Aber Evolution braucht nunmal Zeit…

Also müssen wir, die abnehmen wollen, uns auf folgende Reaktion unseres Köpers einstellen:
Unser Körper erkennt, wenn wir weniger Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen und wenn wir uns bei unseren Abnahmebemühungen “ungeschickt” anstellen, dann straft er uns… durch ein unangenehmes Hunger-Gefühl. 

Ganz schön fies!

Um unseren Körper geschickt austricksen zu können, hilft es also, wenn man etwas mehr darüber weiß, wie “satt sein” funktioniert…

Zwei wichtige Signale sagen dem Gehirn, dass es Zeit ist, wieder zu essen: 

Erstens ein geringer Blutzuckerspiegel und zweitens ein leerer Magen.

 

Ich beginne also mal mit etwas Hintergrundwissen über unseren Blutzuckerspiegel.

Unser Steinzeitkörper ist immer darauf vorbereitet, plötzlich kämpfen oder fliehen zu können (schließlich könnte ja jederzeit ein Bär rein kommen 😉 ). 

Dementsprechend haben wir immer so viel Energie im Blut, dass wir das theoretisch auch können. Also jederzeit kämpfen oder fliehen. Wir haben also normalerweise einen konstanten Blutzuckerspiegel von 80-100 mg pro 1 dl Blut. 

Wenn unser Blutzuckerspiegel sinkt, dann weiß das Gehirn, dass wieder Energie benötigt wird. Diese Energie gibt es auch in unseren Körperreserven (also bei mir sehe ich davon jede Menge an Bauch, Po und Oberschenkeln 😛 ), aber erstens will der Körper die ja behalten für die nächste Hungersnot und zweitens geht es viel einfacher, diese Energie aus frischer Nahrung zu ziehen. 

Also kriegen wir bei einem geringen Blutzuckerspiegel Hunger. 

Und bei einem leeren Magen. 

 

Und bei Hunger hilft nur eins: essen! 

 

Wenn wir etwas essen, dann merk das Gehirn schon am Kauen, dass bald neue Energie in den Körper kommt. Das ist übrigens auch der Grund, warum bei WW Obst keine Punkte hat, Obstsäfte und Smoothies hingegen schon. Die werden nämlich ohne zu Kauen getrunken – und das hat einen großen Einfluss auf unser Sättigungsgefühl. 

Die Nahrung füllt anschließend den Magen. Dieser wird dadurch größer, er dehnt sich nämlich. Und wenn er voll ist, dann gibt er dem Gehirn das Signal “ist genug, bin jetzt satt”. Für alle “Visuellen” unter Euch hab ich da mal etwas aufgemalt:  😀

 

Aus dem Essen extrahiert unser Körper dann den Zucker, so dass der Blutzuckerspiegel wieder steigt. 

Und satt bleiben wir dann so lange, bis der Magen wieder leer ist und/oder der Blutzuckerspiegel wieder zu weit sinkt. 

 

Und wer bis hierhin aufgepasst hat, der ahnt schon, was kommt… Wenn wir abnehmen möchten, müssen wir unserem Gehirn das Gefühl geben “es ist alles in Ordnung, es droht aktuell keine Hungersnot!!!”

Wie müssen also dafür sorgen, dass der Magen möglichst lange gefüllt und dass der Blutzuckerspiegel möglichst lange über dem kritischen Wert bleibt. Ach ja, und weniger Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen müssen wir natürlich auch. 

 

Ich möchte jetzt weiter gar nicht ins Detail gehen, was da biochemisch in unserem Körper vor sich geht. Ich werde in einem anderen Artikel mal mehr über die Aufgabe von Insulin erklären und warum ballaststoffreiche (Vollkorn-)Lebensmittel uns deutlich länger satt machen, als Lebensmittel mit Weißmehl und/oder Zucker. 

 

Ich will stattdessen das Geheimnis lüften, warum die einen Lebensmittel weniger WW Points haben als die anderen – obwohl sie vielleicht die gleiche Energie, also gleich viele Kalorien haben: 

Weil sie uns aus den oben erklärten Gründen länger satt machen – und dabei eine geringe Energiedichte, also für ihr Volumen wenig Kalorien haben. 

Das ist übrigens auch das Geheimnis der WW “Zeros”. Im Programm blau und vor allem in lila funktionieren die übrigens nur dann, wenn man tatsächlich aufhört zu essen, wenn man satt ist. 

 

Und in all den Jahren, in denen Weight Watchers die Menschen dabei begleitet, ihr Wunschgewicht zu erreichen, wurde das Abnahmeprogramm immer wieder an die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und an die Wünsche der Teilnehmer angepasst. Ich erinnere mich noch an Points ohne Wochenextra und ohne Zeros oder Sattmacher. Und ich erinnere mich noch daran, dass Nudeln und Kartoffeln im Verhältnis deutlich weniger Punkte hatten. Oder an Rezeptbücher quasi ganz ohne vegetarische oder gar vegane Rezepte. Damals haben die Teilnehmer auch gut abgenommen. Aber jetzt mal zwischen Euch und mir: das aktuellste Programm, in dem man zwischen “grün, blau und lila” wählen kann, ist mit Abstand das beste, das ich in den letzten 15 Jahren selbst ausprobiert habe! 

🙂 

PS: für alle, die sich wegen all meiner Inspiration jetzt auch bei Weight Watchers anmelden wollen… wenn Ihr Euch über diesen Link anmeldet, bekommt Ihr einen Monat gratis (und ich auch 😀 – ist also Werbung…) : Weight Watchers selbst ausprobieren!