Meine lange Liste an Alternativen

Ich sitze gerne abends mit einem Glas Rotwein vor dem Fernseher und teile mir mit meinen Söhnen eine Tüte lecker Chips.

Tatsächlich ist das wie ein kleines Ritual. Ich komme abends relativ spät von der Arbeit, habe meistens schon das Abendessen vorbereitet – mache dies also schnell warm. Dann sitzen wir zusammen beim Abendessen und erzählen ein bisschen was über den Tag oder klären Sachen für die Schule oder so.

Dann wird schnell gemeinsam der Tisch abgeräumt und sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht. Auf diesen Moment freuen wir uns alle 3. Wir haben immer eine Serie, die wir gemeinsam schauen und fiebern der nächsten Folge entgegen. Ich gönne mir dabei ein Gläschen Rotwein und meine superschlanken, durchtrainierten, Jungs (ehrlich, die beiden hatten schon mit 6 ein Sixpack!!!!) plündern den Süßigkeitenschrank.

Hm… bissi doof, wenn man sich – so wie ich – vorgenommen hat, im Laufe des kommenden Jahres 20 Kilo abzunehmen. Das fällt einem spätestens dann auf, wenn man sich mal die Weight Watchers Punkte für so einen Feierabend ausrechnet 😛

Eine Alternative muss also her. Klartext: ich muss meinen Familien-Kuschel-Feierabend zukünftig so gestalten, dass er meine Abnahmepläne nicht boykottiert. Und hier kommt der tatsächliche Knackpunkt: der neugestaltete Familien-Kuschel-Abend muss uns trotzdem alle 3 glücklich machen.

Warum hebe ich das so hervor? Weil es hier im eigentlichen Sinne um die Befriedigungen von Bedürfnissen geht.

Ich habe mal gelernt: “Wenn Hunger nicht das Problem ist, ist Essen nicht die Lösung”.
Toller Satz. Den werde ich in meinen Abnahme-Erfahrungsberichten ganz sicher noch häufiger zitieren.

Also, wenn es nicht Hunger ist, der mich allabendlich dazu verleitet, gemeinsam mit meinen Söhnen in die Chipstüte zu greifen (kann ja nicht – wir haben ja gerade erst zu Abend gegessen), was ist es denn dann?

Ganz objektiv betrachtet, gibt es zig Gründe – außer Hunger – warum wir zu Essen greifen.
Langeweile fällt mir gerade als erstes ein. Oder Belohnung. Als kleines Trösterchen. “Oma hat mir immer einen warmen Pudding gemacht, wenn es mir schlecht ging”. Die Liste an Gefühlen und teilweise in der Kindheit gelernten Mechanismen, wie wir dieses Gefühl mit dem Genuss von Essen verbinden ist ziemlich lang.
“Weil 12:00 Uhr mittags ist” oder “weil die Kollegin einen Geburtstagskuchen mitgebracht hat und ich da nicht nein sagen konnte” oder “weil die Tüte Gummibärchen offen da rum lag” sind auch ein paar häufig genannte Gründe, warum man isst, auch wenn man objektiv gar nicht hungrig ist.
“Weil es lecker schmeckt” ist einer meiner Lieblingsgründe.. (ich werde “hedonistischen Hunger” – also die Lust zu Essen, einfach nur, weil es Spass macht, mal separat in meinem Blog thematisieren).

Leider ist die Antwort auf die Frage nach “warum habe ich mir das eigentlich gerade in den Mund gesteckt” aber gar nicht so leicht zu beantworten. Hm… ehrlichgesagt ist sie häufig sogar sehr schwierig zu beantworten. Daher ist es ein kleiner Prozess, herumzuprobieren und heraus zu finden, wie ich meine liebgewonnene Gewohnheit, bei der ich unnötig Kalorien in mich rein schiebe, so verändern kann, dass ich am Ende glücklich und zufrieden bin. Denn nur dann ist die Chance hoch, dass ich nicht irgendwann wieder “rückfällig” werde und – so wie in meinem Beispiel – wieder allabendlich mit Wein und Chips vor dem Fernseher lande.

Aber ich merke schon, ich werde zu abstrakt.

Also bleibe ich mal bei meinem eigenen Beispiel.

Die wohl “intelligenteste” Alternative zu “Chips und Rotwein vor dem Fernseher” wäre wohl, wenn ich anstatt mich überhaupt zu setzen, mich auf meinen 15 Jahre lang in der Ecke stehenden Crosstrainer stelle. Bin ja im Moment hochmotiviert, habe also den Crosstrainer vor den Fernseher geschoben, hab meine Jungs mit ihren Chips auf dem Sofa sitzen lassen und hab Schritte zählend die Serie geschaut. “MAMA, der Crosstrainer ist so laut! MAMA, das ist total ungemütlich! MAMA, wann bist Du endlich fertig?” Und ganz ehrlich: ich fand es auch Kacke!

Also hab ich aus dem Fernsehabend mal einen Spieleabend gemacht und zum Snacken Apfelspalten dazu gelegt. Und was soll ich sagen? Da war um 22:00 Uhr bei uns noch High Life! Da hatten die Roten nämlich gerade wieder ein paar blaue Armeen besiegt und sich mit den Grünen verbündet, was dazu geführt hat, dass die Blauen “das ist unfair” gerufen haben und der Grüne erst einmal diplomatisch verhandeln musste. Nix zum abends runter kommen, wenn am nächsten Morgen Schule ist…

Also habe ich mich am nächsten Abend wieder zusammen mit den Kindern vor den Fernseher gesetzt und mir statt Wein einen Tee und statt Chips eine große Schüssel Gemüstesticks mit lecker Skyr-Kräuter-Dip gemacht. Hm… die Idee war gar nicht soooo schlecht. Die Kids haben mir jede Menge Möhren und Paprika weg gemampft (dürfen sie natürlich). Und am Tee hab ich mir die Zunge verbrannt. Heißer Tee ist so gar nicht meins. War es noch nie! Und ich habe auch an diesem Abend festgestellt: eine Tasse heißer Tee macht mich nicht glücklich. Erst recht nicht, wenn ich das mit meinem Rotwein vergleiche. Und am nächsten Abend war mir der Aufwand tonnenweise Gemüse zu schneiden und einen Skyr-Dip anzurühren echt zu aufwändig.

Ich war also noch nicht an meinem persönlichen Ziel.
Also weiter im Experiment.
Vielleicht hilft mir der Tee ja kalt? Also morgens 1 Liter Apfel-Zitrone-Tee aufgebrüht, diesen etwas abgekühlt in eine Glasflasche gefüllt und anschließend ab in den Kühlschrank. Und weil ich keine Lust hatte zu schnibbeln, hab ich mich abends dann ganz ohne Knabberzeugs mit 1 Liter ungesüßten, selbst gemachten Eistee zu den Kindern gesetzt. Und siehe da… Tadaaaa.
SUPER! DAS ist MEINE Lösung.
Fragt mich nicht warum. Aber bei meinem “neuen” Fernsehabend vermisse ich nichts!
Es ist gemütlich, wir schalten gemeinsam kuschelnd ab, wir werden müde, die Kinder sind glücklich und zufrieden und ich habe weder das Bedürfnis nach Rotwein noch nach Knabberzeugs. Selbst nicht, wenn meine Kinder neben mir die Gümmibärchentüte auf machen.

Und ganz manchmal mache ich mir dann zum Knabbern ein paar Stücke Obst oder Gemüsesticks oder greife sogar mal in die Chipstüte von den Jungs (aber nur einmal – mehr braucht es dann nicht). Und ganz manchmal nutze ich meine Wochen-Extra-Punkte für ein kleines Gläschen Rotwein.

Dies ist nur EINs von VIELEN Beispielen, wie ich eine Gewohnheit erst als “oh, wenn ich das mache, nehme ich nicht ab” enttarnt habe und durch ausprobieren eine Alternative gefunden habe, die ich deshalb langfristig beibehalten kann und werde, weil sie mich glücklich macht!

Die wichtigste Moral von diesem Erfahrungsbericht für Euch Abnehm-Mitstreiter soll sein: es ist egal, wie es die anderen machen und was man Dir um Dich herum empfiehlt: die neue Gewohnheit muss für DICH und Deinen Alltag passen und muss DICH glücklich und zufrieden machen. Und wenn Du nicht weisst, was Dich glücklich und zufrieden macht, dann probier einfach mal etwas aus. Und wenn es das nicht war, dann probierst Du halt etwas anderes aus 🤩 . Nur Dich ständig rumärgern und nach Ausreden suchen ist dabei verboten 😋. 

 

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